Risikotragfähigkeit im Leasing

Nachdem die Leasing- und Factoringbranche im Jahr 2008 unter die Aufsicht der BAFin gestellt worden ist, sind die ersten regulatorischen Anforderungen bereits umgesetzt. Insbesondere die Anmeldung als Finanzdienstleister ist vollzogen und die ersten Millionenkreditmeldungen gem. §14 KWG sind bereits abgegeben worden. Ein Großteil der Leasingunternehmen hat inzwischen mit der Umsetzung des §25a KWG, der sich in den Mindestanforderungen für das Risikomanagement (MaRisk) konkretisiert, begonnen und steht nun vor der Aufgabe, diese bis zum Ende des Jahres 2010 komplett umzusetzen. Allerdings stellt die MaRisk mit ihren drei Säulen (Risikomanagement, Aufbau und Ablauforganisation und Interne Revision) mannigfaltige Anforderungen, die Leasingunternehmen so nicht kennen. Eine davon ist die Darstellung der Risikotragfähigkeit eines Finanzdienstleisters.

Das Konzept zur Erstellung einer Risikotragfähigkeit soll der Geschäftsführung eines Leasingunternehmens einen strukturellen Überblick über die Risikosituation und -tragfähigkeit geben. Ebenfalls wird mit einer Risikotragfähigkeitskonzeption den aufsichtsrechtlichen Anforderungen Rechnung getragen.

Steuerungskonzepte zur Risikotragfähigkeit
Zur Erstellung des Risikotragfähigkeitskonzepts hat jedes Leasingunternehmen ein Steuerungskonzept auszuwählen. Es orientiert sich am doppelten Proportionalitätsgrundsatz der MaRisk, der sich auf Art, Umfang, Komplexität und Risikogehalt des Geschäftsmodells bezieht.

 

Prozess der Risikotragfähigkeit
Der Prozess der Risikotragfähigkeit orientiert sich am Internen Kapitaladäquanzverfahren (engl. Internal Capital Adequacy Assesment Process - ICAAP). Er stellt in der Bankenwelt das Operationalisieren der Säule II aus Basel II dar, die wiederum bezüglich des qualitativen Risikomanagements die Grundlage für die MaRisk ist.

Prozessschritte zur Erstellung der Risikotragfähigkeit

Risikoidentifizierung: Im Rahmen der Erstellung einer Risikostrategie, hat jedes Leasingunternehmen eine Risikoinventur durchzuführen. In ihr werden die wesentlichen Risiken festgestellt und niedergeschrieben.

Risikoquantifizierung: Die als quantifizierbar eingestuften Risikoarten, werden entsprechend des zu wählenden Steuerungskonzepts bewertet und als Risikopositionen dargestellt.

Aggregation: Alle berechneten Risiken werden im Rahmen der Risikoaggregation aufgerechnet. Dabei sind je nach Steuerungskonzept, die Korrelationen zwischen den einzelnen Risikoarten zu berücksichtigen.

Deckungsmassen: Zur Ermittlung einer Risikotragfähigkeit werden Risikodeckungsmassen benötigt. In der Regel wird hier zwischen einer kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Deckungsmasse unterschieden. Die Bestimmung der Deckungsmassen orientiert sich an den gewählten Steuerungskonzepten der Gesellschaft.

Risikotragfähigkeit: Zur endgültigen Bestimmung der Risikotragfähigkeit werden die Risikodeckungsmassen den quantifizierten Risikoarten gegenübergestellt. Daraus ergibt sich, ob ein Leasingunternehmen die Risiken, die es bereit ist einzugehen, auch tragen kann.
Alle oben beschriebenen Schritte sind als Prozess zu verstehen. Im Verlauf eines Geschäftsjahres sind sie in regelmäßigen Abständen durchzuführen, um eine eventuelle Änderung der Risikosituation zu berücksichtigen. Es besteht die Verpflichtung, eine jährliche Überprüfung der Risikotragfähigkeitsbetrachtung durchzuführen.

Anwendung der Risikotragfähigkeit im Leasing
Aus der Erfahrung unserer Beratungsprojekte bei Leasinggesellschaften, lässt sich feststellen, dass die Wahl des Steuerungskonzepts stark von der Größe und der Datenhistorie der einzelnen Gesellschaften abhängt.

Für klein- und mittelständische Leasingunternehmen, zeigt sich, dass eine periodische bzw. GuV-orientierte Sichtweise als Steuerungskonzept als die pragmatischste anzusehen ist. Die notwendigen Daten, wie die Planung von Erträgen und Aufwand stehen in der Regel jedem Unternehmen zur Verfügung. Für das Beraterteam der S&N AG gilt diese für den Leasingmittelstand als sinnvollste Vorgehensweise. Von besonderer Wichtigkeit ist in dem periodischen Steuerungskonzept die jährliche Fortschreibung der Risikotragfähigkeitsanalyse. Dies kann in dem Ansatz unaufwändig durch die Fortschreibung der GuV bzw. der betriebswirtschaftlichen Ergebnisrechnung realisiert werden.

S&N ist als Projektpartner für die Anwendungshinweise Risikotragfähigkeit des Bundesverbandes Deutscher Leasingunternehmen (BDL) ausgewählt worden. Im Rahmen dieses Projekts werden unterschiedliche Steuerungskonzepte und Methoden beschrieben und anhand von Case Studies verifiziert. Dabei spielte für die Auswahl durch den BDL die breite Expertise von S&N im Bereich der Umsetzung der MaRisk im Leasingmittelstand eine besondere Rolle. S&N verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Umsetzung der Risikotragfähigkeit bei Leasingunternehmen und darf sich damit als Marktführer und auch Trendsetter im Bereich der Risikotragfähigkeit für Leasingunternehmen sehen.

Ansprechpartner: Kai Braunert; Turn on Javascript!