Application Lifecycle Management

Das Ziel von Application Lifecycle Management (ALM) ist, die Entwicklung und den Betrieb von Applikationen möglichst effizient und geschäftsorientiert zu gestalten. Aktuelle Studien und Analysen zeigen eine immer stärker ansteigende Bedeutung des Themas ALM für Unternehmen. Aber was steckt hinter diesem großen Interesse?

Software-Entwicklung und -Betrieb sind häufig nicht Kerngeschäft, müssen aber trotzdem agil und kosteneffizient umgesetzt werden. Was das Application Lifeycle Management tatsächlich vom bereits bekannten Application Management unterscheidet ist, dass ALM den gesamten Lebenszyklus einer Anwendung umfasst - von der ersten Idee bis zu ihrer Außerbetriebsstellung. Ein richtig gedachter und umgesetzter Ansatz für das ALM muss daher ebenso umfassend sein.

Dies sind aber nicht die einzigen Gründe für ein gesteigertes Interesse und Veränderungen sind dringend erforderlich. IT-Verantwortliche stellen zunehmend fest, dass ihre eigenen Applikationslandschaften auf veralteter Technologie basieren. Die Applikationen genügen nicht mehr den Anforderungen des Business, Funktionen einzelner Anwendungen überschneiden sich ganz oder teilweise mit denen anderer, die Abstimmung zwischen Teams ist erschwert. Insbesondere treten Probleme im Bereich der Wartung und Anpassung zu Tage und verursachen unverhältnismäßig hohe Aufwände.

Warum setzen nicht alle auf Application Lifecycle Management?

Diese Frage ist durchaus berechtigt, betrachtet man die aktuellen Probleme und Bedürfnisse im Bereich Enterprise IT. Ein Grund ist wohl, dass ALM bei IT-Managern als nicht besonders prestigeträchtig gilt. Es gehört zu den eher ungeliebten Routineaufgaben und findet gleichsam kaum Beachtung bei Anwendern oder der Geschäftsleitung. Schnelle Ergebnisse sind auch nicht zu erwarten und die Umsetzung eines ALM-Konzepts bedarf eines langen Atems, denn das gesamte Unternehmen muss ein nachhaltiges Verständnis für die veränderten Abläufe entwickeln.

Die Konsequenz eines Verzichts auf ALM ist jedoch deutlich größer als gemeinhin vermutet wird. Ein Großteil des Tagesgeschäfts wird für Support, Wartung und Fehlerbehebung an der Applikationslandschaft aufgewendet. Die Ressourcen der IT sind damit fast vollständig gebunden, dringend benötigte Neuentwicklungen oder Modernisierungen bleiben zwangsläufig auf der Strecke. Aus monetärer Sicht wird der Handlungsbedarf überaus deutlich, wenn man sich bewusst macht, dass die Kosten kein unvermeidlicher Nebeneffekt einer heterogen gewachsenen Anwendungslandschaft sind, sondern direkte Folge eines unzureichenden ALM. Es ergibt sich damit auch eine völlig andere Ausgangslage für eine Rentabilitätsberechnung. ALM ist dann der perfekte Hebel, um aus dem Teufelskreis hoher Wartungs- und Supportkosten, schlechter Anpassbarkeit und fehlender Agilität der Applikationslandschaft auszubrechen.

Viele Wege führen ans Ziel

ALM 1

Ist die Entscheidung für die Einführung von ALM gefallen, stehen mehrere gängige Konzepte für eine Umsetzung zur Verfügung. Wohl am bekanntesten ist der ITIL-Ansatz (IT Infrastructure Library), der bereits in den 90er Jahren eingeführt wurde. Im Grunde handelt es sich bei ITIL um eine best-practice Sammlung für das IT-Service Management. Zahlreiche Unternehmen und Verlage bieten Schulungen und Dokumentationen an, die im Internet zum Teil frei verfügbar sind. Im Kern fokussiert sich dieser Ansatz auf die Entwicklung und Einführung von Services, die für ALM genutzt werden können. Es findet quasi eine Anpassung des Konzepts ITIL auf ALM statt. Zahlreiche Dienstleister arbeiten ebenfalls nach dem ITIL-Prinzip und ermöglichen so eine reibungslose Auslagerungen von Entwicklung und / oder Betrieb. Seit 2007 ist ITIL mittlerweile in der Version 3 verfügbar und besteht aus fünf Hauptdokumentationen.

Insbesondere im Bereich Anwendungs-Management weist ITIL jedoch Lücken auf, die vor allem durch eine Schwerpunktsetzung auf den Service entstehen.

Die in den Niederlanden entwickelte Application Services Library (ASL) setzt dort an wo ITIL aufhört. Wie schon an der Namensgebung deutlich wird, fokussiert ASL auf das Anwendungs-Management. Konkret regelt dieser Ansatz die vertraglich vereinbarte Verantwortung für die Durchführung und das Management von Entwicklung und Wartung bestehender Applikationen unter zu Hilfenahme von Service Levels. Anwendungs-Entwicklung im eigentlichen Sinne, also der Erst-Entwicklung von Applikationen wird weniger Bedeutung eingeräumt und daher nicht eingehend im ASL-Ansatz betrachtet. Bei der Anwendung von ASL ist der Reifegrad der Organisation und der Services ein wichtiger Faktor und setzt ein gewisses Mindestmaß voraus. ASL setzt sich aus sechs Prozessclustern zusammen, die in drei Ebenen aufgeteilt sind.

ALM 2

Unabhängig davon, welches Konzept Anwendung findet, muss die Lösung als integrierte Plattform den kompletten Prozess der Anwendungsentwicklung mit dem Anforderungs-, Entwicklungs-, Qualitäts-, Performance- und Service-Management verknüpfen. So ist es nicht verwunderlich, dass eine Kombination von ASL und ITIL die besten Erfolgschancen bietet. Die spezifischen Vorteile des jeweiligen Ansatzes finden so zu einem großen Ganzen zusammen.

Erfolgsfaktoren identifizieren und nutzen

Die Umsetzung in der Praxis erfordert einen langen Atem, der sich aber lohnt. Einige Faktoren haben sich als starke Einflussgeber auf Erfolg oder Misserfolg für die Umsetzung von ALM herauskristallisiert. In einem Unternehmen ist fast jeder Bereich durch ALM betroffen. Die verschiedenen Sichtweisen und Informations-Bedürfnisse müssen bei der Einführung berücksichtigt werden.

Zu Beginn ist es sinnvoll, alle Prozesse rund um Softwareentwicklung, Test, Einführung und Betrieb auf den Prüfstand zu stellen. In dem häufig anzutreffenden heterogenen und historisch gewachsenen Geflecht von Applikationen, stehen die damit verbundenen Prozesse dem Applikations-Wirrwarr in nichts nach. Prozesse vereinfachen, vereinheitlichen und zusammenzufassen ist ein wichtiger Schritt im Rahmen von ALM, um Kosten einzusparen.

Aus Sicht der Softwareentwickler können mit diesem Prozess Vorbehalte verbunden sein. Standardisierung in der Entwicklung ist eines der Kernelemente für die Umsetzung von ALM. Was im ersten Augenblick nach Beschränkung in Freiheit und Kreativität aussieht, schafft aber genau die Freiräume, die Entwickler für ein kreatives und produktives Arbeiten benötigen.

Es ist entscheidend, die Vorbehalte der betroffenen Personen aktiv aufzunehmen und abzubauen.

Einsparungen entstehen nicht nur durch Zeitersparnis im Alltag, sondern auch dadurch, dass Prozesse und deren Ergebnisse kontrollierbar sowie steuerbar werden. Insbesondere wenn Dienstleister mit an Bord sind, müssen Prozesse und KPIs installiert werden, die eine effektive Steuerung ermöglichen. Die Einrichtung eines End-to-End Monitoring für die wichtigsten Prozesse und Systeme ist unumgänglich. Innerhalb des Monitorings sind sowohl Prioritäten und Verantwortlichkeiten festzulegen als auch Eskalationspfade. So lassen sich im Issue-Fall schnell Ursachen analysieren und beheben. Sowohl das Monitoring als auch die definierten KPIs dienen der Steuerung und sollten nicht zum „finger-pointing“ eingesetzt werden. Ziel ist eine offene und konstruktive Beziehung, die zur Verbesserung der Applikationen und deren Betrieb genutzt wird.

ALM bietet eine hervorragende Möglichkeit externe Partner nicht nur in Entwicklung und Betrieb von Applikationen einzubinden, sondern auch diese zu steuern. Jede Partei ist sich immer über Aufgaben und Verantwortung bewusst. Was so einfach klingt, erfordert speziell bei externen Partnern viel Erfahrung und eine möglichst strukturierte Vorgehensweise. Wichtiger Faktor an dieser Stelle ist die Etablierung von integrierten Service-Workflows.

Ein weiteres wichtiges Element des ALM ist, die im Betrieb erworbenen Erfahrungen direkt in die Neuentwicklung und Modernisierung von Applikationen einfließen zu lassen. Je besser eine Applikation auf den späteren Betrieb vorbereitet wird, desto mehr Kosten lassen sich in der Betriebsphase sparen.

All diese Dinge lassen sich jedoch nur schwer umsetzen, wenn sich niemand für das Management des Gesamtwerks ALM verantwortlich fühlt. Der Rolle des Application Managers kommt daher große Bedeutung zu.

Fazit – ALM lohnt sich

Unabhängig davon, ob man sich für ein großen Wurf entscheidet oder die Einführung von einzelnen Elementen. Die Entscheidung für eine sorgfältige Analyse der eigenen Applikationen und Prozesse ist sinnvoll und bietet ein großes Potential für Effizienzsteigerung, Kostensenkung und Mitarbeiter-Motivation, da letztere nicht mehr mit redundanten oder komplizierten Prozessen konfrontiert werden.

Ansprechpartner: Sarah Midderhoff; Turn on Javascript!

 

(Quelle: "Standards und Best Practices für das Application Management" von Michael Rohlhoff aus dem Buch "Praxis der Wirtschaftsinformatik: Application Management", Herausgeber Susanne Strahringer, Heft 278, April 2011 )