Wie sieht die Bankenwelt im Jahr 2025 aus?

Perspektiven aus Sicht des Innovationsforums „Bank und Zukunft“ des Fraunhofer Instituts

Finanzinstitute stehen seit Jahren vor stetig wachsenden Herausforderungen: Die immer weiter fortschreitende Technisierung von Prozessschritten, die vermehrte Nutzung von mobilen Endgeräten sowie eine kontinuierliche Erreichbarkeit als auch Online-Verfügbarkeit, mitsamt des Vertrauensverlusts in der Finanzindustrie und dessen entgegenwirkenden Maßnahmen. Diese Themen beeinflussen heute maßgeblich die Banken. Aus diesem Grund sind dies auch die stärksten Einflussfaktoren für die Projektarbeiten 2013/2014 im Innovationsforum „Bank und Zukunft“ des Fraunhofer Instituts.

Bank und ZukunftDas Innovationsforum

Das Fraunhofer Institut entwickelt im Innovationsforum „Bank und Zukunft“ innovative und praxisnahe Konzepte sowie Lösungen für die „Bank der Zukunft“ und das „Banking der Zukunft“. Zu diesem Zweck arbeitet das FHI in enger Zusammenarbeit mit renommierten Banken und IT-Dienstleistern zukunftsweisende Trendthesen heraus. Ziel ist es einerseits verschiedene Kundensegmente wie Privat- und Firmenkunden und andererseits unterschiedliche strukturelle Bereiche innerhalb der Bank, beispielsweise das Management, den Vertrieb oder die IT zu adressieren. Diesbezüglich werden gleichermaßen technologische und organisatorische Innovationen als auch wirtschaftliche, technische und kundenorientierte Gestaltungsaspekte in Betracht gezogen. Im Zuge dieser ganzheitlichen Betrachtungsweise werden Anbieter- und Kundensicht in den kooperativen Forschungsprozess einbezogen. Das Innovationsforum hat sich zum Ziel gesetzt, Banken im Innovationsprozess und bei ihrer langfristigen strategischen Ausrichtung aktiv zu begleiten und zu unterstützen. Es werden Möglichkeiten dargestellt, wie Finanzinstitute eine langfristige Optimierung ihrer Wettbewerbsposition erreichen und auf diese Weise entsprechend neue Ertragschancen generieren.

Mitwirkung der S&N AG am Innovationsforum

Die S&N AG ist seit Gründung des Innovationsforums Mitglied des Forschungsprojektes. Die Teilnahme bietet für alle beteiligten Unternehmen den Vorteil, frühzeitig auf zukünftige Entwicklungen der Finanzindustrie und deren Kunden sowohl einwirken als auch reagieren zu können. Auf der einen Seite besteht die Möglichkeit Produktinnovationen und Produktweiterentwicklungen frühzeitig am Markt zu positionieren. Auf der anderen Seite können neue Konzepte oder Lösungen auch gemeinsam mit den Partnern erarbeitet und umgesetzt werden.

Methoden und Tools im Innovationsforum

Das „Foresight-Management“ umfasst alle Analysen, die im Innovationsforum in der Projektphase 2013/2014 stattgefunden haben und noch durchgeführt werden. Darunter wird ein Prozess des systematischen Vorausschauens aufgefasst, der Veränderungen des Marktes, von Kundenbedürfnissen, neuer Technologien sowie gesetzlicher Rahmenbedingungen identifiziert. Diese sollen zur Ableitung von Innovationspotenzialen und Handlungsfeldern für die Banken dienen. Diese werden damit befähigt, frühzeitig Veränderungen zu antizipieren und mittelfristig zu planen, um langfristig wirksame Entscheidungen zu optimieren.

Zukunftsthesen wurden in verschiedenen Bereichen - angefangen von allgemeinen Entwicklungen, über das Vertriebsmanagement bis hin zur IT - festgelegt. Für den weiteren Verlauf des „Foresight-Managements“ wurden folgende Projektschritte geplant und somit die Schlüsselfaktoren für das weitere Vorgehen herausgefiltert:

  • Erstellung von Zukunftsthesen und Evaluierung mithilfe einer Expertenbefragung, 
  • Delphi-Analyse
  • Durchführung eines Szenario-Prozesses
  • Durchführung einer Kundenstudie

Geschäftsmodell Bank 2025Tendenzen zur Entwicklung der Bankenwelt

Die Zwischenergebnisse des Innovationsforums wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Ausarbeitung bei der S&N AG ausgewertet. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Bereiche Kundenintegration, Modifizierung bzw. Ausweitung des Geschäftsfeldes und Systemintegration die Schwerpunkte bei der Umstrukturierung der Banken bilden. Folgende Merkmale lassen sich daraus ableiten: Einen bedeutenden Einfluss werden die Endkunden haben und die Banken werden ihr heutiges Geschäftsfeld, welches überwiegend ein aus Finanzdienstleistungen bestehendes Produktspektrum enthält, um weitere Produktgruppen ausbauen.

Bezüglich der Bankkunden zeichnet sich für die kommenden Jahre eine verstärkte Integration des Kunden in die Prozesse ab. Er bildet den Mittelpunkt des zukünftigen Geschäftsmodells „Bank“. Über Communities und Portale sollen die Kunden die Möglichkeit bekommen, ihre Meinung über die Bank zu äußern und deren Leistungen zu bewerten sowie sich mit anderen Kunden auszutauschen. Darüber hinaus sollen sie auch direkt die Gelegenheit haben, Vorschläge für die Modifikation oder Neueinführung von Bankprodukten zu machen. Des Weiteren ist es für den Kunden in Zukunft von besonderer Bedeutung, individuelle Produkte angeboten zu bekommen. Dafür ist er auf der anderen Seite auch bereit, der Bank mehr Informationen über sich preis zu geben.

Durch die Erweiterung des Geschäftsfeldes wird die Menge der zu verarbeitenden Daten größer. Die Bank ist auf Anwendungen und Systeme angewiesen, die diese Daten so verarbeiten, dass sie für sie effizient nutzbar sind. Zudem sollten diese so aufgebaut und angepasst werden, dass die Prozesse darin abgebildet werden können. Hierbei handelt es sich auch um die Bankdaten und –prozesse von externen Dienstleistungs- /Serviceanbietern. Deshalb muss ebenfalls eine einwandfreie Konfiguration und Integration der Banksysteme gewährleistet sein. Zusätzlich setzt die Kundenintegration die gute Erreichbarkeit aller benötigten Systeme voraus. Soft- und Hardware muss angepasst sowie erweitert und in die IT-Landschaft der Bank integriert werden. Zudem muss in den einzelnen Systemen die einfache Handhabung der einzelnen Funktionen gegeben sein. Optimal ist eine intuitive Steuerung. Teilkomponenten der Systeme und Anwendungen sollten auch für den Kunden zuhause oder im Beratungsgespräch zugänglich gemacht werden.

Ein weiteres Kriterium ist die bessere Verknüpfung von Online-Kanälen und deren stationäre und mobile Erreichbarkeit. Über diesen Kanal wird man zukünftig die meisten Menschen erreichen können und diese setzen ebenfalls die Online-Erreichbarkeit der Bank voraus. Die Bankgeschäfte werden sich soweit entwickeln, dass für den Abschluss von Basisleistungen kein Berater mehr notwendig ist, sondern diese im Internet abgeschlossen werden. Aus diesem Grund werden auch Online-Nutzungs- und Abschlussquoten zur Erfolgsmesskennzahl von Banken genutzt.

Mögliches Geschäftsmodell

Mögliches GeschäftsmodellDurch eine langfristige Kundenbindung ist es möglich, den Bedarf des Kunden frühzeitig zu erkennen. Darunter ist eine ganzheitliche Beratung des Bankkunden hinsichtlich alltäglicher Fragestellungen zu verstehen. Dies können beispielsweise Finanzdienstleistungen, die Vermittlung eines Rechtsanwalts oder die Anmeldung eines Kindes in einer Kindertagesstätte sein. Da Menschen während ihres gesamten Lebens Bankdienstleistungen in Anspruch nehmen, muss die Bank den Kunden möglichst lange an sich binden. Die folgende Abbildung ist anhand von Bankdienstleistungen für die entsprechenden Lebensphasen aufgebaut. Die Abbildung stellt zusätzlich bei jeder Lebensphase die Dienstleistungen dar, die vom Kunden zum jeweiligen Zeitpunkt primär nachfragt werden. Die aufgeführten Elemente sind lediglich Beispiele, die verdeutlichen sollen, dass es bei dem Modell des „Life-Assistance-Banking“ weit über die bisherigen Bankdienstleistungen hinausgeht. Durch das erweiterte Geschäftsmodell der Bank und die Integration von anderen Märkten wird dem Bankkunden ein großer Mehrwert bereitgestellt. In jeder Lebensphase werden ihm zusätzliche Dienstleistungen angeboten, die für ihn zu dem Zeitpunkt von Bedeutung sind. Damit wird dem Kunden ein umfassender Service für alle Situationen präsentiert. Der Bankberater wird beim „Life-Assistance-Banking“ als Unterstützer und persönlicher Begleiter verstanden. Er steht lebensbegleitend als Ansprechpartner auch in bankfremden Angelegenheiten zur Verfügung. So können Lösungen auf sämtliche Problemstellungen des täglichen Lebens in der Bank gefunden werden. Ziel ist es, den Kunden von der alltäglichen Belastung zu befreien und seinen Komfort zu erhöhen. Um den Kunden langfristig an die Bank zu binden, werden ihm fortwährend gemäß seiner Lebensabschnitte adäquate Angebote gemacht.

Die Bank begleitet den Kunden während seines gesamten Lebens. Da sie und ggf. ihre Non-Banking-Partner ihn bereits einige Jahre kennen und alle entscheidenden Informationen über ihn in der Bank hinterlegt haben, kann der Bedarf eines Kunden frühzeitig erkannt oder gesteuert werden. Dabei sind die Entscheidungskriterien der zu beratenden Person zu beachten: Steht Sicherheit vor Risikobereitschaft? Ist Verfügbarkeit von Geld wichtiger als eine langfristige Anlage? Das „Life-Assistance-Banking“ ist entsprechend auf den Bereich der Geschäftskunden anwendbar.

Fazit

Banken werden sich bis zum Jahr 2025 deutlich gegenüber den heutigen Banken gewandelt haben. Eine Bank wird nicht mehr nur Anlaufstelle für Finanzdienstleistungen sein. Sie wird ihrem Kunden auch bei weiteren Themen beratend und unterstützend zur Seite stehen. Das kann sowohl das „Life-Assistance-Banking“, als auch ein fachlicher Schwerpunkt in einer abweichenden spezifischen Thematik sein. So kann dem Kunden ein bedeutender Mehrwert geboten werden und eine Alleinstellung und ein Wiedererkennungsmerkmal am Markt erreicht werden.

Ansprechpartner: Anna Busemann; Turn on Javascript!