Crowd-Finanzierungen und Banken: Gewinn oder Gefahr?

Das Risikomanagement nimmt einen großen und bedeutsamen Platz in jeder deutschen Bank ein. Betrachtet werden dabei vorrangig Kreditrisiken, Marktrisiken und operationelle Risiken. Die Betrachtung des Risikos des ausgelassenen Geschäfts spielt dabei allerdings aktuell keine Rolle. Dabei stellt sich die Frage, ob hier nicht ein wichtiger Risikobereich unbeachtet bleibt.

Neue Geschäftsmodelle durch das Internet

Crowd-Finanzierungen und Banken: Gewinn oder Gefahr?Auf Grund eines derzeit historisch niedrigen Zinsniveaus, welches der Bankensektor seinen Kunden im Anlagebereich präsentiert, werden alternative Anlagemöglichkeiten für Bankkunden interessant. Crowd-Finanzierungen im Allgemeinen und das Crowdinvesting im Besonderen, stellt eine solche Anlagealternative dar. Crowdinvesting wird durch eine Vielzahl von nationalen und internationalen Plattformbetreibern als reines Online-Geschäft angeboten. Hierbei stellen Unternehmer ihr Geschäfts- oder Projektvorhaben auf einer speziellen Crowdfunding-Platt-form im Internet vor und Nutzer dieser Internetseite, die sogenannte „Crowd“ (engl. = Menschenmenge) können sich mit mehr oder weniger großen Geldbeträgen an dem Vorhaben beteiligen. Crowd-Finanzierungen sind somit frei verfügbar für jeden Internetnutzer und bieten Investitionsmöglichkeiten in unterschiedlichsten Branchen an.

Daher stellt sich die Frage, ob die Banken einen wichtigen und wachsenden Geschäftsbereich in der Finanzwirtschaft aktuell vollkommen unbeachtet und somit eine große Geschäftsmöglichkeit auslassen. Eine zunehmende Verlagerung von Filialgeschäften in das Internet kann seit über einem Jahrzehnt bereits in vielen Branchen, wie zum Beispiel dem Versandhandel beobachtet werden. Das Schicksal des Quelle-Konzerns wurde beispielsweise massiv durch die Nicht-Beachtung des Internethandels geprägt und führte bis in die Insolvenz des Unternehmens. Durch eine stetig wachsende Relevanz des Online-Business stehen auch die Banken unter dem Druck, ihr bestehendes Geschäft internetfähig zu machen, aber auch neue Geschäftsmöglichkeiten, die sich durch das Internet ergeben, zu betrachten.

Das Risiko entgangener Erträge sollte Beachtung finden

Das Risiko des ausgelassenen Geschäfts für Banken kann durch schnelle Veränderungen am Markt und durch rasant wachsende, neue Geschäftsfelder im Internet zunehmend an Relevanz gewinnen. Die etablierten Geschäftsbereiche der Bank werden auf lange Sicht durch den Onlinehandel mitgeprägt und sich dieser Strömung nicht entziehen können. Wie die Entwicklung von alternativen Finanzierungen, alleine im deutschen und europäischen Raum zeigt, gewinnen Finanzgeschäfte abseits des Bankenbereichs zunehmend an Bedeutung. Anpassungen in der Infrastruktur einer Bank, sowie die Aufstellung im Bereich Online-Business werden somit in der Zukunft eine entscheidende Rolle spielen.

Insourcing von Crowdfinanzierungen als Lösungsszenario

Es kann sich somit zum Problem entwickeln, dass die Banken eine Möglichkeit der Geschäftsgenerierung auslassen, indem sie den Bereich der Crowd-Finanzierungen nicht in ihr Produktportfolio integrieren. Im Rahmen einer Doktorarbeit, die in Kooperation mit der S&N AG erstellt wird, soll diese Problemstellung aus der Sicht der Banken beleuchtet werden. Als ein mögliches Lösungsszenario wird dabei untersucht, ob das Insourcing von Crowdinvesting durch etablierte Banken ein sinnvolles Businessmodell darstellt und für welche Banken sich diese Möglichkeit als Produktidee anbietet. Das Crowdinvesting wird dabei beispielhaft als ein Bereich von entgangenen Erträgen für Banken betrachtet, um nicht eines Tages vor der Erkenntnis zu stehen, dass das eigene Produktportfolio nicht mehr zu den Marktbedürfnissen passt.

Ansprechpartner: Julia Pongratz; Turn on Javascript!