Gemeinsam für die Zukunft

10 Jahre Forschungskooperation »Bank & Zukunft« zwischen dem Fraunhofer IAO und der S&N AG

Bank und ZukunftDie erfolgreiche Kooperation der S&N AG mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart im Rahmen des Innovationsforums »Bank & Zukunft« feiert in diesen Monaten das 10-jährige Jubiläum. Anlass genug um die bisherigen Arbeiten Revue passieren zu lassen, und einen Blick in die Zukunft der Bankenbranchen zu wagen. Dazu haben wir Claus-Peter Praeg, Projektleiter am Fraunhofer IAO und Uwe Bröker, Geschäftsleitung der S&N interviewet.

Redaktion: Herr Praeg, wofür steht das Innovationsforum »Bank & Zukunft«?

CPP: Das Innovationsforum ist eine gemeinsame Forschungsinitiative mehrerer Banken und banknaher Dienstleister die sich mit Zukunftsfragen der Banken und des Banking befasst.

Redaktion: Im Rückblick auf 10 Jahre Innovationsforum – was waren die zentralen Tätigkeitsfelder und Ergebnisse der bisherigen Arbeiten?

CPP: Wir haben im Partnerkreis viele wegweisende innovative Konzepte und Lösungen rund um das Banking erarbeitet. Zu Beginn der Arbeiten stand die Entwicklung von Zukunftsszenarien der Bankfilialen, die heute noch als Grundlage bei der Gestaltung von Geschäftsstellen dienen. Neben der Marktperspektive war unser Blick auch nach Innen auf die Bankorganisation und die Geschäftsprozesse gerichtet. Mit dem „Quick-Check“ entstand dabei ein einfaches und effizientes Bewertungstool der Geschäftsprozessmanagement-Qualität, welches u.a. innerhalb einer großen Bankengruppe erfolgreich eingesetzt wurde. Im Jahr 2008 stellten wir konkrete Handlungsanleitungen und Bewertungsanwendungen für das Management verteilter Wertschöpfungsnetzwerke vor, lange bevor dieses Thema in der Bankenpraxis Beachtung fand. Seit vier Jahren betrachten wir Zukunftsfragen der Banken sehr intensiv aus Kundensicht und beschäftigen uns mit Fragstellungen wie Banken sich kundenzentrierter aufstellen können.

Am Institut wurde die zweite Generation eines ShowCases in Form eines Erlebnislabors eingerichtet. Hier werden innovativen Lösungen für Interessierte und Entscheider greifbar; gleichzeitig wird damit eine Möglichkeit geboten sich schon heute intensiver mit der Bank und dem Banking von morgen sowie den Zukunftsfragen auseinander zu setzen.

Zusammenfassend wurden in den vergangen Jahren quasi eine komplett neue Art der Bank und des Bankings beschrieben. Praxisrelevante Konzepte stehen bereit und können zur Gestaltung der „Bank der Zukunft“ angewendet werden.

UB: Aus den zuvor erwähnten Aktivitäten und Ergebnissen entwickelten wir innovative IT-Konzepte die direkt in Lösungen und Beratungsprojekten einflossen. Insbesondere bei der Umsetzung von Wertschöpfungsnetzwerken haben wir von den Vorarbeiten des Innovationsforums profitieren können. Im Rahmen unserer Business-Service-Angebote vereinen wir unterschiedliche Geschäftspartner, wie Banken, Behörden, Rechenzentren, HW-Hersteller etc., zur Bereitstellung von Angeboten in den Bereichen Cash-Management, Bilanzdaten-Analyse, Output-Management uwm.. Daüber hinaus bietet uns der B&Z-ShowCase eine gute Möglichkeit, mit Finanzinstituten und weiteren Partnern in einen weitergreifenden Innovationsdialog zu treten.

Wir mussten allerdings auch feststellen, dass einige Ansätze oftmals einen Schritt zu weit gingen. Teilweise fehlte den Finanzinstituten neben den organisatorischen und technischen Voraussetzungen die Bereitschaft zum „First Mover“ und einige Lösungen blieben im Status „Prototyp“.

Redaktion: Sie haben demnach viele konkrete Lösungen entwickelt. Welchen Beitrag leisten die Arbeiten des Innovationsforums, um Banken sowie deren Dienstleister besser auf die Zukunft vorzubereiten?

UB: Für uns waren und sind die Ergebnisse des Innovationsforums eine wichtige Quelle zur strategischen Ausrichtung, wenn es darum geht unser Produkt- und Leistungsangebot zukunftsgerecht weiterzuentwickeln. Neben der jährlichen Trendstudie nutzen wir gezielt die zahlreichen Zukunftsthesen, Szenarien und Case Studies um daraus Roadmaps für unser Angebotsportfolio abzuleiten.

CPP: Dies unterstreicht auch unseren Anspruch aus Sicht der angewandten Forschung möglichst konkrete Lösungen zu entwickeln, die von den B&Z-Partnern leicht in deren tägliche Arbeitsumgebung einzusetzen sind.

Redaktion: Das hört sich ja alles sehr gut an. Sie erwähnten jedoch, dass einige Themen in der Praxis nicht oder nur mit einer zeitlichen Verzögerung umgesetzt und weiterverfolgt wurden? Was waren und sind aus Ihrer Sicht die Gründe hierfür?

CPP: Innovationen benötigen immer die richtige Zeit und das richtige Umfeld um sich erfolgreich entwickeln zu können. In der Vergangenheit waren Banken nicht gezwungen, sich über grundlegende Neuerungen Gedanken zu machen. Daher hat sich eine entsprechende Innovationskultur, welche die Geschäftsmodelle in den Grundsätzen durchaus mal in Frage stellt nicht so ausgeprägt entwickelt, wie dies in anderen Branchen der Fall war. Entsprechend sind oftmals auch die internen Voraussetzungen nicht so gestaltet, dass Innovationen schnell und effizient umgesetzt werden können und sich sowohl die Mitarbeiter als auch die Führungskräfte auf Neues einlassen wollen und können. Insbesondere vor dem Hintergrund des schwindenden Vertrauens der Kunden in Banken im Zuge der Finanzkrise haben sich viele Institute auf das traditionelle Kerngeschäft konzentriert.

Bank und ZukunftUB: Man darf dabei nicht übersehen, dass die vergangenen Jahre für die Bankenbranche sehr hart waren und noch immer sind. In vielen Bereichen sinken die Erträge in großem Umfang ohne dass entsprechende neue Erträge generiert werden können. Die Finanzkrise und deren Folgen führten zu einer Ausweitung der Regularien, die von den Banken umgesetzt werden müssen. Dazu kamen große Vorhaben wie z.B. die Abgeltungssteuer und die SEPA Umstellung, die extrem viel Kapazitäten beanspruchten. Es haben somit viele Gründe dafür gesorgt, dass bisher nicht alle Entwicklungen zeitnah in die Praxis überführt werden konnten.

Redaktion: Herr Präg, in den letzten Jahren hat sich das Kundenverhalten massiv gewandelt. Welche Auswirkungen hat dieses auf die Finanzindustrie?

CPP: Die Bankenwelt muss auf das veränderte Konsumverhalten, das nicht zuletzt durch eine andere Form der Kommunikation geprägt ist, schnellstens reagieren. Der Kunde ist es mittlerweile gewohnt, Informationen aus unterschiedlichen Quellen über verschiedene Kanäle zeitnah zu erhalten. Er erwartet auf ihn angepasste, preislich attraktive Produkte und Beratungen und dieses nicht zu festen „Öffnungszeiten “ oder an vorbestimmten Orten. Banking ist eine „Aktivität“, die der Kunde zunehmend unabhängig vom Institut stattfinden lässt. Dabei steht nicht die Frage nach Filiale oder Online-Banking im Vordergrund, sondern die Frage, wie sich die Bank dem Kunden nähert und ihn für sich gewinnt.

Redaktion: Im Bereich Technologie ist eine hohe Veränderungsgeschwindigkeit zu verzeichnen. Wie wirkt sich dieses auf die Banken aus? Und wie entwickelt sich nach Ansicht des Innovationsforums die Zukunft der Banken?

UB: Mitarbeiter und Führungskräfte sind gefordert ihre Technologiekompetenz permanent weiterzuentwickeln, damit sie die neuen Möglichkeiten daraus für sich erkennen können. Banken laufen Gefahr, im Zuge der Entwicklung von Industrie 4.0 und der damit verbundenen intensiven Vernetzung aller Beteiligter außen vor zu bleiben und damit weiter an Boden zu verlieren. Weiterhin ermöglichen Technologien, dass Banken näher bei Ihren Kunden sind und diese intensiver begleiten und beraten könnten, als dies bisher der Fall war. Neue Technologien sind die Basis für völlig neue Geschäftsmodelle. Im Zuge der Digitalisierung und der Verbreitung mobiler Lösungen ergeben sich für Finanzinstitute neue Geschäftsfelder, die nur noch zum Teil etwas mit dem klassischen Banking zu tun haben.

CPP: Aus Sicht des Innovationsforums wird es die Bank als Institution wie sie heute eine ist in einigen Jahren so nicht mehr geben. Das Kundenverhalten, die neuen Markttreiber im Finanzumfeld sowie der permanente technologische Fortschritt werden die gesellschaftlichen Veränderungen weiter vorantreiben. Banking wird keine Institutsangelegenheit sein, sondern ein Teil einer Aktivität eines Mehrwertanbieters.  

Redaktion: Herr Bröker, wie kann ein IT-Dienstleister wie die S&N AG den Finanzinstituten bei der Gestaltung der Zukunft helfen?

UB: Wir können Erfahrungen mit innovativen Technologieprojekten aus anderen Branchen auf die Finanzbranche übertragen, wovon diese profitieren. Unabhängig von bestehenden Strukturen bieten wir die Möglichkeit, als „verlängerte Werkbank“ zu agieren um Innovationen umzusetzen.

Durch das Entkoppeln des Bankkerngeschäfts von der Technologie durch flexible Bereitstellung von IT- und Business-Services können sich Finanzinstitute fokussieren und vor allem um neue Geschäftsideen kümmern.

Redaktion: Nach dem Rückblick folgt der Ausblick. Womit werden sie sich im Innovationsforum in naher Zukunft beschäftigen?

CPP: Wir haben den Fokus auf die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung der Banken gerichtet. Wir werden uns mit den Erfolgsfaktoren im Rahmen der digitalen Transformation befassen und einige prototypische Lösungen für Banken im Zuge der Digitalisierung entwickeln, um den Entscheidern zeigen zu können, welch große Potenziale im Banking der Zukunft liegen.

Redaktion: Vielen Dank für den umfassenden Überblick. Wir sind schon gespannt auf die Ergebnisse der nächsten Forschungsphasen.

Banken in der digitalen Ökonomie

Projektbeschreibung 2015/2016

Zielsetzungen der Forschungsphase ist es, Banken in folgenden Bereichen aktiv zu unterstützen:

  • Lernen von den Leadern
    Lernen aus anderen Branchen anhand von Beispielen und Case Studies, um die vorhandenen, vielfältigen Erfahrungen im Kontext der Digitalisierung zielgerichtet nutzen zu können.
  • Digital Fitness I
    Durchführung wissenschaftlicher Forschungen zur Identifikation von Enabler und Hemmnisfaktoren des notwendigen Wandels in Banken, um die digitale Transformation zukünftig effizienter und effektiver gestalten zu können.
  • Digital Fitness II
    Assessment für die organisatorische und technische Reife der Bank in Bezug auf die »Digitalisierung«.
  • Verändertes Kundenverhalten
    Fortführung der Studien zu Bankkunden der Zukunft. Mindestanforderungen besser verstehen lernen und Ansätze für Begeisterung identifizieren.
  • Neue Geschäfts- und Betreibermodelle
    Neue Geschäfts- und Betreibermodelle für Banken im Kontext der »Digitalisierung« entwickeln, beschreiben und konzipieren zu können.

Details : www.bankundzukunft.de