Basel III macht Kredite teurer

Auswirkungen der verschärften regulatorischen Anforderungen an die Finanzindustrie auf Firmenkunden

KreditverteuerungEine empirische Analyse der Auswirkung von strengeren Eigenkapitalanforderungen auf Kreditzinsen an Unternehmen

Die Autorin Franziska Mühlenkord hat im Rahmen ihrer Masterthesis am Lehrstuhl Risikomanagement des House of Finance der Goethe Business School in Frankfurt am Main eine Studie über die neuen Basel III Kapitalanforderungen, die Anpassungsstrategien von Banken an diese und die verschiedenen Kanäle über die sich die Anpassungen auf den realen Sektor auswirken durchgeführt. Das Konzept der Thesis ist in Kooperation mit führenden deutschen Banken entstanden. Banken werden per regulatorischer Definition eines Mindeststandards effektiv am Markt als unterkapitalisiert wahrgenommen, und unterkapitalisierte Kreditinstitute erhöhen ihre Kreditzinsen an Unternehmen in einer Rezession.

Überblick BASEL III

Die Umsetzung der ersten Basel III Reformen läuft seit 2013 und mit dem ersten Januar 2019 - so der Plan - sollen alle neuen Anforderungen in der Finanzindustrie umgesetzt worden sein

Auslöser für striktere Regelungen

Der Auslöser für striktere Regelungen unter Basel III war vor allem die anschauliche Instabilität im Finanzsektor in der Finanzkrise 2007/08. Die Kettenreaktion: 'Bankenstress »Systemische Finanzkrise »Allgemeine Wirtschaftskrise, konnte auch durch enormen politischen Aufwand und die Verwendung öffentlicher Gelder nicht verhindert werden und hatte weitreichende negative Folgen für die Weltwirtschaft.

Neue Kapital- und Liquiditätsanforderungen

Die von den G20 beschlossenen Reformen der Kapital- und Liquiditätsanforderungen an alle Kreditinstitute haben folgende Ziele, die auf unterschiedlichen Ebenen adressiert werden:

  • Ziel auf Ebene der individuellen Bank: Widerstandskraft der individuellen Bank in Stress-Perioden stärken
  • Ziel auf makro-ökonomischer Ebene: Systemkrisen vermeiden

KreditverteuerungBesonderes Augenmerk wird dabei auf das sogenannte harte Kernkapital gelegt, welches hochwertiges Eigenkapital darstellt. Daher wurde eine neue Kennzahl, der „CET1 Ratio“ (Common Equity Tier 1 Ratio), eingeführt, dessen Zähler im Allgemeinen nur aus dem Stammkapital der Eigentümer besteht. Den Nenner bildet die Kennzahl RWA, die den Wert der risikogewichteten Vermögenswerte des jeweiligen Instituts darstellt.

SITUATION & TRENDS IM EUROPÄISCHEN BANKENMARKT

Die aktuelle wirtschaftliche Situation in Europa und die neu eingeführten Regeln zur Kapitalregulation, wie im „BASEL III CRD IV Paket“ werden derzeit bei vielen Banken auf Hochtouren umgesetzt. Diese Entwicklung schlägt sich in Trends im Europäischen Bankenmarkt nieder:

Beschränkung des traditionellen Bankengeschäftsmodells

Neue regulatorische Liquiditätsanforderungen (LCR und NSFR) sowie strengere Vorgaben für die Bankenaufsicht machen den traditionellen Prozess der Laufzeitentransformation schwieriger. Das Ziel dieser Liquiditätsregelungen, die eine Angleichung der Laufzeit der eingesetzten Finanzierung an das jeweilige Finanzprodukt der Bank erzwingt, ist eine Stabilisierung der Finanzierungsbasen. Kritiker befürchten eine Störung im Geldfluss, der die Wirtschaft, z.B. das Handwerk und die Industrie, mit Krediten versorgt.

Trend 1: Erschwerte Intermediation im Kreditmarkt bedingt Schwierigkeiten für die Realwirtschaft

KreditverteuerungEntschuldung des Bankensektors, hin zu weniger Risiko und weniger Profit

Strengere Eigenkapitalvorgaben sollen die Banken dazu bringen, „Deleveraging“-Prozesse zu starten und den bilanziellen Eigenkapitalanteil zu erhöhen. Ziel ist hierbei die Vermeidung neuer prozyklischer Schwächungen der Stabilität des Finanzsystems – und darüber hinaus der Wirtschaft, die in einem solchem Fall vor allem durch eine nach unten gerichtete Preisschraube für Vermögenswerte und Sicherheiten am Markt beeinträchtigt wird. Eigenkapital kann und soll vor dem möglichen Ausbruch einer erneuten Finanzkrise als Puffer dienen, der andere Banken und die Realwirtschaft vor dieser negativen Preisschraube schützt. Maßnahmen in den Finanzinstituten sind hierzu vor allem die Verbesserung der zur Risikobewertung eingesetzten Modelle, damit zukünftig möglichst keine Korrelationsrisiken ignoriert oder unterschätzt werden sowie die Thesaurierung und aktives Portfoliomanagement hin zu weniger risikobehafteten Vermögenswerten. Hieraus ergibt sich allerdings eine für risikoaffine Investoren unattraktivere Ertragslage im Bankensektor, da die Eigenkapitalrendite sinkt.

Mit der Folge, dass die aktuelle Situation in den „neuen Märkten” außerhalb Europas und Nordamerikas, mit einem stärkeren ökonomischen Wachstum und ohne IT-Altlasten in den Bankensystemen, besonders anziehend auf internationale Finanzinvestoren wirkt. Neue, effizientere Systeme, die von vorneherein mit den neuen regulatorischen Anforderungen im Einklang sind, ermöglichen den bisher abgehängten Finanzsektoren mittel- bis langfristig den Zugang zu internationalen Finanzmärkten.

Trend 2: Erhöhte Transparenz ermöglicht mehr Vertrauen und eine verbesserte Finanzmarktstabilität und Vorbeugung weiterer Spannungen im Finanz- und Kapitalmarkt Vertrauen im Bankenmarkt erhöhen

Trend 3: Gleichzeitig droht den europäischen Banken ein Verlust von Marktanteilen internationaler Finanzinvestitionen

Europäischer Standard im „Single Market“

Die Einführung des sogenannten „Single Rulebook” auf Basis eines harmonisierten europäischen Minimalstandards ermöglicht zum einen das Schließen rechtlicher Regulierungslücken (bisherige Unterschiede zwischen Mitgliedsstaaten), ist auf der anderen Seite aber auch der kleinste gemeinsame Nenner für den Europäischen „Single Market”. Die europaweite Einhaltung dieser Standards wird durch die Einführung geeigneterer Qualitätsüberprüfungen des Bankenmanagements und der vorgeschriebenen Abwicklungsprozesse sichergestellt.

Trend 4: Engmaschigere Prüfungen des europäischen Minimalstandards wirken als Anreiz für vermehrte Aufsichtsarbitrage, d.h. die Verlagerung riskanter Geschäfte zu weniger regulierten Tochtergesellschaften

Fazit

Erhöhte Anforderungen an die Quantität und Qualität von hartem Kernkapital bringt Banken dazu, Eigenkapital durch Thesaurierung zu erhöhen und ihre Kreditportfolien zu weniger risikoreichen Vermögenswerten umzustrukturieren. Dies bedingt einen Anstieg der Finanzierungskosten und einen geringeren Eigenkapitalertrag. Kreditinstitute geben diese Kosten durch erhöhte Kreditzinsen an ihre Kunden weiter. Das Ergebnis einer Schätzung für den Europäischen Zahlungsraum beläuft sich auf eine Zinsänderung von plus 2,7% bis 2019/20. Das Regressionsmodell basiert auf den durchschnittlichen Werten der aggregierten europäischen Bankbilanz.

Dieses Verhalten kann durch die allgemeinen Marktbedingungen, wie den Konjunkturzyklus und den Leitzins, Informationsasymmetrien und die relative Abhängigkeit von Kreditnehmern auf dem Kreditmarkt, positive oder negativ beeinflusst werden.

ANPASSUNGSSTRATEGIEN DER FINANZINSTITUTE

KreditverteuerungNeben einer Reduzierung der Dividenden, kann natürlich auch eine Steigerung der Profitabilität gezielt zu einer höheren Eigenkapitalquote führen. Die Untersuchung zeigte jedoch, dass diese Strategie weniger erfolgreich durchgesetzt werden konnte.

In Bezug auf die Portfolioanpassungsstrategien der Finanzinstitute, ist insgesamt ein Rückgang des Kreditvolumens zu verzeichnen, insbesondere werden weniger Kredite für relativ hoch-risikobehaftete Unternehmungen ausgegeben. Hintergrund hierbei ist, dass für Vermögenswerte, die eine höhere Risikoeinstufung bekommen, im Gegenzug mehr Eigenkapital auf der Bilanz erforderlich ist, um die Eigenkapitalquote zu halten oder sogar zu verbessern. Somit wurden Portfolien mit diesen für die Banken "teuren" Vermögenswerten abgebaut und eine Verschiebung der Kreditvergabe in Richtung sicherer Anlagewerte konnte verzeichnet werden.

Ansprechpartner: Franziska Mühlenkord; Turn on Javascript!