Wasserfall und Agilität - Widerspruch oder gegenseitige Bereicherung?

Erfolgsfaktoren bei der Integration agiler Methoden

In Zeiten beschleunigter Lieferzyklen, Transformation der Unternehmenskulturen, zunehmender Kunden- und Produktorientierung bieten sich agile Methoden an. Sie lassen sich gut in bestehende Wasserfall-Organisationen integrieren, wenn man wichtige Erfolgsfaktoren beachtet:

  • Nehmen Sie die Mitarbeiter mit - ein begleitendes Coaching durch die agilen Führungsrollen ist unverzichtbar, um die Mitarbeiter auf die Arbeit in einer agilen Organisation vorzubereiten.
  • Führen sie agile Methoden schrittweise ein. Innovative, produkt- und kundenorientierte Projekte wie Digital Customer Channels bieten sich an.
  • Führen sie passende Schnittstellen zwischen Wasserfall und agilen Projekten wie z.B. ein abgestimmtes Releasemanagement ein. Vergessen sie trotz des kurzfristigen Planungshorizontes im agilen Teil nicht eine langfristige Planung in Abstimmung mit den abhängigen Wasserfall-Projekten.
  • Gestalten sie passende Verträge, die die agilen Ansätze wiedergeben, die Vorgehensweise im Projekt regeln und in partnerschaftlicher Weise alle Vertragspartner motivieren.

S&N greift bezüglich Agilität auf weitreichende Erfahrungen aus der Telekommunikationsbranche zurück und ist durch langjährige Erfahrung im Projektgeschäft von Banken der ideale Partner für die Einführung agiler Vorgehensmodelle in der Finanzbranche.

Autor: Frank Bewersdorff, Partner der S&N AG und Spezialist im Bereich „Agile Methoden“. 

Der digitale Kunde als neue Herausforderung

Die Finanzdienstleister sehen sich nach der Zeit der großen Compliance-Projekte neuen Herausforderungen gegenübergestellt. Ihre Kunden nutzen vielfältige Interaktionskanäle und verlangen deren Nutzung auch von den Banken. Die Digitalisierung aller Kanäle ist zum Muss geworden. Die Telekommunikationsbranche sah sich bereits vor einigen Jahren dieser Anforderung gegenübergestellt. Auch das Wettbewerbsumfeld hat sich geändert. Angebote werden vergleichbarer, neue zuvor branchenfremde Unternehmen dringen mit disruptiven Geschäftsmodellen in das Bankgeschäft ein. Technologische Trends wie Smartwatches, Car IT, Datenbrillen oder Internet-of-Things bringen dem Kunden immer neue Interaktionsmöglichkeiten und wecken Erwartungshaltungen, die sich direkt auf das Bankengeschäft auswirken. Der Kunde möchte über den Kanal seiner Wahl mit der Bank kommunizieren und in seinem jeweiligen Lebenskontext unterstützt werden. Die Transformation zum Life-Assistance-Banking hat bereits begonnen.

Daraus entstehen neue Anforderungen an die Umsetzungsgeschwindigkeit, höhere Innovationsraten und erhöhte Projektrisiken bei gestiegenem Kostendruck. Eine kundenzentrische und produktorientierte Organisation ist erforderlich, die auf die Änderungen flexibel reagieren kann.

Agile Vorgehensmodelle

In anderen Branchen, wie z.B. der Telekommunikationsbranche, haben sich bereits agile Vorgehensmodelle, wie Scrum bewährt. Während bei der Wasserfall-Methode eine Anforderungsänderung den Ausnahmeprozess des Change Requests vorsieht, ist die Änderung im agilen Ansatz integraler und sogar erwünschter Bestandteil. Das Produkt steht im Mittelpunkt und wird in Iterationen innerhalb von kurzen Sprints geliefert. Die Dauer eines Projektes sollte 6 Monate nicht überschreiten. Am Anfang steht eine grobe Produktvision, die den derzeitigen Wissensstand darstellt. Die Detaillierung der Anforderungen findet während des Projektes statt. Dieser Ansatz lässt das Einfließen von Anforderungsänderungen, Feedback des Kunden und Erfahrungen des Entwicklungsteams zu. Agile Teams sind überschaubar, selbstorganisiert und funktionsübergreifend. Der minimalistische Ansatz schafft schnell ein lieferbares Produkt, den sogenannten „vertikalen Durchstich“. Die Kundenanforderungen werden durch den Product Owner gebündelt und kooperativ mit dem Team verwaltet, priorisiert, detailliert und dann durch das Entwicklungsteam eigenverantwortlich umgesetzt. Der Scrum Master unterstützt diesen Prozess, beseitigt Hindernisse und fördert als dienstleistende Führungskraft den agilen Prozess. Unternehmen, die zusammen mit S&N agile Methoden einsetzen, beobachten eine höhere Produktivität und Motivation bei allen Projektbeteiligten.Wasserfall

Doch was bedeutet Agilität für die Organisationen, die nach Wasserfall arbeiten? Ersetzt Scrum den Wasserfall-Ansatz? Wie passt dies mit den etablierten Prozessen zusammen? Wie passt Agilität zu der bestehenden Unternehmenskultur?

Integration agiler Vorgehensmodelle in Wasserfall-orientierte Organisationen

Das wasserfall-orientierte Unternehmen ist oft hierarchisch, prozessorientiert, verfügt in der Regel über eine langfristige Releaseplanung und beauftragt bevorzugt über Festpreisverträge. Zu Projektbeginn werden detaillierte Spezifikationen erarbeitet, die das Endprodukt beschreiben sollen. Oft mit dem Risiko, dass kostenintensive Change Requests den Budgetrahmen sprengen.

Wussten Sie, dass sich die Leistungsbeschreibung eines zwei Jahre andauernden IT-Projektes im Durchschnitt um mehr als die Hälfte ändert? So schreiben Flyvbjerg und Budzier im Havard Business Review.

Agile Ansätze können viele Nachteile der Wasserfall-Methodik kompensieren und lassen sich sehr gut in eine bestehende Releaseplanung integrieren. Bereits in frühen Projektphasen stehen in kurzen Zyklen immer wieder lieferbare Produkte zur Verfügung. Dadurch wird die Integration erleichtert und es besteht jederzeit die Möglichkeit das Projekt sogar zu stoppen. Das Projektrisiko bezüglich Kosten und Zeitachse wird damit besser beherrschbar. Das Ergebnis sollte zu jedem Zeitpunkt ein verwendbares Produkt sein.

Agile Projekte eignen sich hervorragend für innovative und kundenzentrierte Projekte wie der Digitalisierung der Kanäle, während der bereits etablierte Wasserfall-Ansatz seine Stärken ausspielen kann, wenn es um bekannte, gut spezifizierte Anforderungen geht und der Zeitrahmen planbar ist. Dies ist z.B. bei Compliance Projekten der Fall. Der hohe Anteil von globalen nicht-funktionalen Anforderungen ist gut innerhalb der bestehenden Projektmanagement-Methodik abbildbar. Für Disziplinen wie z.B. dem Programmmanagement mit langem Planungshorizont und breiter Integration in das Unternehmen eignet sich weiterhin der Wasserfall-Ansatz. Passende Teilprojekte, die oben genannte Kriterien erfüllen, können im Scrum geliefert werden.

Unverzichtbar bei der Integration agiler Methoden ist das Coaching der Mitarbeiter. Die Selbstorganisation im Team und die Akzeptanz der Änderung als erwünschter Umstand sind meist die ersten Hürden. Daher erfordert die Einführung von Scrum im Unternehmen Coaching-Qualitäten bei den wichtigen agilen Rollen des Scrum Masters und des Product Owners. Es ist ebenfalls empfehlenswert agile Methoden schrittweise in ins Unternehmen zu integrieren.

WasserfallDie Einführung von Agilität wird oft von einer bereits vorhandenen Transformation der Unternehmenskultur begleitet und schafft zusätzliche Synergieeffekte. Agilität unterstützt den Mitarbeiter (eigen-)verantwortlich zu arbeiten und konfrontiert ihn ständig mit den neuesten Kunden- und Marktanforderungen. Das Unternehmen und die Mitarbeiter stellen den Menschen und das Produkt in den Mittelpunkt und die Prozesse und Organisationen sind dafür notwendige Werkzeuge.

Vertragsgestaltung in agilen Projekten

Agile Methoden können das Projektrisiko bzgl. Kosten und Zeitrahmen erheblich senken. Doch wie kann dies vertraglich gestaltet werden? Hier haben sich bereits Vorgehensweisen etabliert, wie trotz fehlender funktionaler Detailspezifikation Festpreise vereinbart werden können. S&N bietet hierfür die Agile Working Packages und den Festpreis mit Risikoübernahme an. Ausgangspunkt dieser Vertragsgestaltung ist eine gemeinsame, für beide Seiten transparente Abschätzung exemplarischer Teilfunktionen, die nach einer Validierungsphase in einen Festpreis mündet. Bei der Risikoübernahme teilen sich die Vertragspartner das Risiko nach einem vereinbarten Verhältnis. Solche Verträge motivieren alle Beteiligten, das Ziel zu erreichen und vermindern weitestgehend die Risiken der klassischen Vertragsformen. Sie verbinden die Flexibilität der Dienstleistungsverträge mit der Budgetsicherheit der Festpreisverträge, bei gleichzeitiger Minimierung des Risikos einer Projektverzögerung.

Agilität und S&N

S&N hat in Zusammenarbeit mit im Bereich der Agilität erfahrenen Beratern bereits im Umfeld von Telekommunikationsanbietern viel Erfahrungen mit der Anwendung agiler Methoden sammeln können. Insbesondere in der Begleitung der Transformation bestehender Prozesse und Unternehmenskulturen. Durch Ihr maßgeschneidertes Angebot von vertraglichen Gestaltungen ist sie der ideale Partner für die Einführung von Agilität in Banken, die bisher nach dem Wasserfall-Modell vorgegangen sind. Sie profitiert von Erfahrungen aus der Telekommunikationsbranche und kann in Kombination mit langjährigen Erfahrungen im Bankengeschäft Synergieeffekte nutzen.

Fazit:

Die Integration von agilen Methoden kann die bekannten Nachteile der Wasserfall-Modelle weitestgehend kompensieren und stellt damit eine ideale Bereicherung dar, um die gestiegenen Anforderungen an die Finanzdienstleistungsbranche besser bewältigen zu können.

Ansprechpartner: Horst Merschjohann; Turn on Javascript!